Huber geniesst das Abendessen mit seiner Familie

Wie fast jeden Abend kommt Huber verspätet nach Hause und die ganze Familie wartet eigentlich nur noch auf ihn mit dem Abendessen. Hubers Frau hat etwas gekocht und nach 10 Minuten wird zu Tisch gebeten. Das Gespräch dreht sich um die Erlebnisse des Tages, was in der Schule so los war, wer sich mit wem gestritten hat usw. Huber hört (auch wie fast immer) mit einem Ohr mit, ist aber mit den Gedanken noch beim Management-Meeting vom Nachmittag. Wieso hat der Leiter der Marketing Abteilung plötzlich so viel Interesse an den Infrastrukturprojekten der Informatik gezeigt? Was führt der wohl im Schilde? Inzwischen hat Hubers Frau begonnen von ihrem Besuch in der Autowerkstatt zu erzählen. Der Werkstattchef sei der Ansicht, dass es vielleicht doch nicht der Thermostat sei (den er ja letzte Woche, nach einem Ksotenvoranschlag von 300 Franken ausgewechselt hat), und das Problem des dauernd laufenden Ventilators von der Klimaanlage komme. Er schlage deshalb vor, das Steuergerät der Klimaanlage auszuwechseln. Das lässt Huber aufhorchen. Sofort hakt er nach, was denn das nun wieder kosten werde. Hubers Frau hat keine Ahnung und Huber gibt ihr den Auftrag das abzuklären bevor sie der Auswechslung zustimme. Hubers Frau beginnt vom nachmittäglichen Arztbesuch mit der 8 jährigen Tochter zu erzählen, aber Huber ist in seinen Gedanken wieder beim Management-Meeting und beim Leiter Marketing. Da hatte dieser doch tatsächlich vorgeschlagen, dass bei zukünftigen Infrastrukturinvestitionen jeweils eine Kosten-/Nutzen-Analyse gemacht werden soll und im Gremium entschieden werden soll, ob anstelle von neuer Infrastruktur nicht besser eine Marketing-Kampagne lanciert werden sollte. Als ob der jemals nur ansatzweise eine Ahnung von Infrastruktur gehabt hätte geschweige denn von ihrem Nutzen. Das hat gerade noch gefehlt, dass sich die Marketingabteilung in die IT einmischt. Diese Truppe die ja eh nur mit den Kunden teuer Essen geht und mit Partnern auf exklusiven Events herumhängt, hat es gerade nötig der IT Tipps zu geben im Bezug auf Wirtschaftlichkeit. Die können das Wort ja nicht einmal buchstabieren. Hubers Frau ist inzwischen beim Arztbesuchbericht an der Stelle angelangt, wo der Arzt den Fortschritt bei er Lungenfunktion der Tochter bestätigt, er aber der Meinung sei, dass sie noch einiges vor sich hat bis sie auch Nachts beschwerdenfrei Atmen könne. Er schlage deshalb eine Weiterführung der Therapie und den Einsatz eines Inhaliergerätes vor. Huber ist gedanklich immer noch bei der Diskussion mit dem Marketingleiter. Der hat doch tatsächlich vorgeschlagen, dass die IT in Zukunft ihre Lieferanten anhalten sollten, alte und nicht mehr benötigte Infrastruktur zurückzukaufen. Als ob die das machen würden. Das sind doch keine Schrotthändler. Der Marketing-Leiter hat dabei konkret die nicht ganz ein-jährigen Server gemeint die im Rahmen des letzten CRM-Projektes beschafft wurden und die nun ungebraucht herumstehen, da das Projekt aufgrund der aktuellen Sparmassnahmen abgebrochen wurde. Aber eigentlich ist die Idee ja nicht ganz so schlecht. Schliesslich haben die Lieferanten uns ja dazumal gedrängt die Infrastruktur frühzeitig zu beschaffen, damit dann alles „ready“ sei wenn das Projekt in die Implementierungsphase kommt (was es ja nun definitiv nie kommen wird). Huber nimmt sich vor, das gleich Morgen mit dem Account-Manager des Lieferanten zu thematisieren. Eigentlich sollte man diese Leute vermehrt in die Pflicht nehmen für die Konsequenzen die entstehen wenn wir als Kunden auf sie hören. Huber wird fast ein wenig euphorisch beim Gedanken damit sein Budget wieder ein wenig zu entlasten. Hubers Frau ist mittlerweile beim Therapie-Programm angekommen und wie sie das in den Tagesablauf integrieren und an den Sportaktivitäten der Tochter vorbeibringen könne. Das Beste wäre wohl, wenn sie das Inhaliergerät jeweils nach dem Nachtessen und vor dem Zubettgehen benützen würde. Huber, immer noch ganz begeistert von der Idee die Lieferanten an den Ersatzkosten zu beteiligen, gibt seiner Frau die Anweisung, der Arzt müsse den eben eingebauten Thermostat kostenfrei wieder ausbauen und zurück an Lager nehmen bevor er der Tochter das neue Steuergerät der Klimaanlage einbaue. Seine Frau starrt ihn mit offenem Mund an und die Tochter fragt, wieso sie ein neues Steuergerät brauche. Aber Huber ist in seinen Gedanken schon wieder Meilenweit von der Familie entfernt und analysiert wo noch weitere solche Sparpotentiale verbogen sein könnten…

~ von silbertraum am Oktober 20, 2008.

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